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Parodien - Die Weiber von Weinsberg - bürger_mobil

Bürger´s Weiber von Weinsberg, im modernsten Geschmacke hexametrisirt und stylisirt, mit klassischer Sedulität emendirt und kastigirt, durch zahl- und lehrreiche kritische Glossen locupletirt und illustrirt, und zum Nutzen und Frommen angehender Musenpfleglinge publicirt und promulgirt von dem Scholiasten der Striegeliade  von J.F. Ratschky, Wien 1799
“Saget mir an, wo Weinsberg liegt, das Städtlein, (3.) das wackre ! (4.)
Vormals hausten darin der frommen und züchtigen Hausfraun
(Also verkündigt der Ruf) (5.) und der Mägdelein viele. Gelüstet´s
Je mich nach einer Gespons, so kies´ich sie traun ! mir aus Weinsberg.”

              Das vollständige Werk im Archiv


Die Ische vun Weinsbargk von Christian Heinrich Gilardone in Parodiee, Gedichtches unn prousaische Uffsätz', Zweites Bändchen, Speyer 1834
“Wer waaß, wu Moukem Weinsbargk liegt? -
Nu, waaß es Kaaner, Leute,? -
Aß Aaner nergends Aane kriegt ; -
Süll er uff Weinsbargk reite:
Dort wouhnt é feiner, noubler Schlag, -
Das hoert´ ich all mein Liebestag. -”

           Das vollständige Werk im Archiv


Das Prädikat, oder Weiberlist über Alles in Ein zwölfter Beitrag zur heiteren Deklamation in gesellschaftlichen Zirkeln, Wien. Im Verlag bei Franz Wimmer. 1840
“Erzählen hörte ich einmahl,
 Von einem wackern Städtchen,
An Schönheit hat man dort die Wahl
 Von Weiberchen und Mädchen.
Und daß sie superklug und fein,
Soll die Erzählung Zeuge seyn.”

          Das vollständige Werk im Archiv


D´Wjwer von Weinsberg von Carl Friedrich Hartmann in Alsatische Saitenklänge. 1848.
“O saaue merr wo Weinsberg lejt?
Wer isch schunn dort gewese?
Brav müen dort d´Wibslydd sinn unn g´scheit,
Nooch dem was ich gelese!
Kummt mir emol´s Hyrothe-n-yn,
So reis´ ich, werzina, dort nyn.”

          Das vollständige Werk im Archiv


S a c h s e n in Der Beobachter in Nürnberg : Blätter für Ernst und Scherz 11.1.1851
“ - Die Wittwe des in Baden standrechtlich erschossenen deutschen Freiheitsmärtyrers Adolph v Trützschler steht im Begriff, sich wieder zu verheirathen und zwar mit einem durchaus nicht demokratischen sächsischen Edelmann! -  
             Wer sagt mir an, wo Weinsberg liegt? - Nirgends!”


Kikeriki 13.11.1902
“Ah, so was?
In einer ‘freiheitlichen’ Frauenversammlung sagte eine Frau Lang:
    ‘Wenn es sein muß, seien wir wie die Weiber von Weinsberg und nehmen wir die Männer auf den Rücken.’
   Das ist wohl leichter gesagt, als gethan. Probieren Sie es einmal, Frau Lang, ob sie den Neumann Buckelkraxen tragen können!”


Eine Parodie mit Bild und Text:
Zur Landtagswahl in Wien am 5. November in Welt-Neuigkeits-Blatt Wien 9. November 1902
“Die Wiener ‘Weiber von Weinsberg’
Frei nach Gottfried August Bürger. -- Von Schartenmeier.
Wer sagt mir, wo Wiens City liegt?
Soll sein ein wackres Städtchen,
Soll haben, fromm und klug gewiegt,
Viel Weiberchen und Mädchen.
Kommt mir einmal das Freien ein,
So werd’ ich eins von dort nur frei’n.

Einsmals Lueger Karol war
Dem guten Städtlein böse
Und rückt’ heran mit Kriegesschaar
Und Reisigengetöse;
Den Liberalen galt sein Zug,
Den Sozi und dem Judentrug.

‘Hinaus mit Euch aus dem Landthing!’
Ließ er da austrompeten, —
‘Vom Kärntner- bis zum Schottenring
Soll’s aus sein mit den Nöthen!
D'rum gebe Jeder seine Stimm'
Den Meinigen, sonst wird es schlimm!’

Drob’, als er den Avis also
Hinaustrompeten lassen,
Gab’s lautes Zetermordio
Zuhaus und auf den Gassen,
Besonders in der innern Stadt
Da war gar theuer guter Rath.

Es schrie'n ob weh die Juden all’,
Die Kohn und die Merores,
Zu hoch wird uns der Christenwall,
Wir gehn wir geh’n kapores! -
Doch wenn’s Mathä’ am Letzten ist,
So rettet oft noch Weiberlist.

Es fanden sich im Rottach’-Saal
Zusamm’ die schönen Seelen,
Zum Präses thaten sie zumal
Die Daisy M i n o r wählen,
Und Frau Marie L a n g sodann
Gibt einen klugen Einfall an.

Als kluges Weibchen hat sie doch
Den Bürger einst gelesen
Und weiß, wie’s einst —- sie weiß es noch —
Zu Weinsberg ist gewesen.
‘W i r   t r a g’n   z u r   W a h l   i n   F r a c k   u n d   K l a c k
D i e   M ä n n e r   a l l e   H u c k e p a c k!’

So sprach Frau Lang: Das Bild von Schwind,
Das unser Blatt heut zieret,
Hat vor den Augen ihr geschwind
Sich ganz modernisiret.
Allheil! und: Bravo! riefen sie -
So ward das Bild zur Parodie.

Und Parodie, das ist es auch
In Wirklichkeit geblieben;
D e r   F r a u e n b u n d nach altem Brauch
Hat still zur Wahl getrieben.
Die Judenweiber blieben z’haus:
Mit Weinsberg-Spielen war es aus.”


Vom Ewig-Weiblichen. Kleine Satiren. in Der Floh 10.5.1903
“Nur die Weiber von Weinsberg sind hors concours,
Und das ist sehr zu beklagen.
Um Männer zu retten, müßt' jede heut'
Wohl mehr als einen tragen!”


("Selbst die Weiber von Weinsberg".) in Fremdenblatt 1.12.1918
“In einer Ehebruchsanklags, die der aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrte Landsturminfanterist August D. gegen seine Gattin Anna anstrengte, führte er aus, daß er, seit dem Jahre 1907 verheiratet, bei Kriegsausbruch einrückte; er zählte auch die Gefechte auf, an denen er teilgenommen hatte. Als er nach mehrjähriger Abwesenheit seine Wohnung aufsuchte, fand er sie geräumt und traf seine Gattin nicht an. Es hieß, daß sie unter Mitnahme der ganzen Wohnungseinrichtung zu einem Kohlenhändler in die Leopoldstadt gezogen sei, dem sie die Wirtschaft führe.
In der Verhandlung wurde auch die Ehegattin des Kohlenhändlers, eine 70jährige Frau, vernommen, die angab, sie sei nahezu blind und wisse daher nichts Wesentliches anzugeben. Die Angeklagte wurde schließlich freigesprochen, worauf der Kläger die Berufung einbrachte, über die gestern ein landesgerichtlicher Senat unter Vorsitz des Landesgerichtsrates Dr. Heller entschied.
        Der Klagevertreter Dr. Fischl führte aus, wie bedenklich es sei, wenn ein 50jähriger Mann zu seiner 70jährigen Gattin eine hübsche Frauensperson ins Haus nehme. Der Verteidiger der Angeklagten Dr. Emil Rechert erklärte, er könne es dahingestellt sein lassen, ob einer vierjährigen Probe selbst die historische Treue der Weiber von Weinsberg standgehalten hätte; jedenfalls ermangle der sichere Beweis, und sei auch alles darüber einig, daß die von der Front Zurückkehrenden jede Erleichterung verdienen, so sei doch eine Beweiserleichterung bei Ehebruchsankagen nicht vorgesehen. Schließlich ging das Berufungsgericht ebenfalls mit einem Freispruch vor.”


De Weiwer von Weinsbärch von Lene Voigt in Säk’sche Balladen Band 1, ca. 1930
“Dr Gaiser Gonrad hatte Wut
Uffs Städtchen Weinsbärch sähre:
‘Wänn sich das nich ergäm mir dut,
Da gibts 'ne Mordsaffäre !’
So ließr dorch sein Häröld blasen
Nach Weinsbärch nein in alle Schtraßen.”

Das vollständige Werk im Archiv.


Die Männer von Bierberg in Die Muskete 11. Juni 1931
“Ihr kennt die Weiber von Weinsberg,
Die wackeren und idealen,
Die aus der belagerten Stadt
Auszogen mit ihren Gemahlen.
         [...]
Doch nicht die Gattinen, nein
Die ließem alle zusammen
Die schlimmen Männer zu Hause
Und retteten bloß ihre Flammen!
         [...]     “
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