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Parodien - Die Entführung - bürger_mobil

Die Entführung oder Ritter Karl von Eichenhorst und Fräulein Gertrude von Hochburg

Vielfältig konnte der Beginn von Bürgers Die Entführung parodistisch verwendet werden:
                   “Knapp sattle mit mein Dänenroß,
                   Daß ich mir Ruh erreite!
                   Es wird mir hier zu eng im Schloß,
                   Ich will, ich muß ins Weite!”

Die Verführing, onder der Lieferant Affroumche Speyer unn dem Benquier Itzig Mannem sein Schickselche von Christian Heinrich Gilardone in Parodiee, Gedichtches und prousaische Uffsätz, Speyer 1832
"’Nu Salmche, sattel mich de Gaul,
Uff Mannem muß ich 'nunter,
Wenn ich dehahm hock, bin ich faul -
Unn is es denn e Wunder? -
Dou hockt mer unn seiht in ahm Eck -
Was zaeihlet ich des Bisslich Dreck -
Ich worr zu meiner Kalle!’
Das Salmche rennt zum Stalle. -”

         Die vollständige Parodie im Archiv.


4. Wahnsinn (monomania). in Hannoversche Annalen für die gesammte Heilkunde. 1. 1836
     “C. E., ein Landmann, alt 48 Jahr [...]
Man sah ihn z. B. auf dem Rande der Bettstelle sitzen, wobei er behauptete, er sitze zu Pferde, wie er denn beständig ein eigenthümliches Verlangen hegte, umher zu reiten und umher zu schweifen. Bürger's Vers: ‘Ich will und muss in's Weite, dass ich mir Ruh' erreite,’ ist hier bezeichnend.”


Die Entführung auf dem Zeiselwagen oder der Harfenist und der Bierwirth in Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz Wimmer, Ein zehnter Beitrag zur heitern Deklamation. Wien 1838
“’Ich spiel die Harfe heut nicht mehr,
Und lehne sie bey Seite -
Gebt noch ein Stutzen Bier mir her,
Und dann geh ich ins Weite’ -
Sprach ein berühmter Harfenist,
Wie in Hernals nicht Jeder ist -
Den Wenzel schiens zu plagen
Kaum konnt´ ers mehr ertragen.”

Der vollständige faksimilierte Text mit Original im Archiv.

Die Entführung oder Schneider Valentin Quend und Jungfer Rebecke Schach von Eginhardt. in Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus. Erlangen 1841
“’Math´s, gib mir die Pantoffeln her,
Kannst auch die Mütze holen;
Es wird um´s Herz mir angst und schwer,
Mir brennen meine Sohlen !’ -
So rief der Schneider Quend in Hast,
Voll Angst schier torkelnd, sonder Rast,
Und ließ die Seufzer schallen,
Als fühlt´er Satans Krallen.”

           Die vollständige Parodie im Archiv.



Augsburger Tagblatt 25.5.1843
“In einem Korrespondenzbericht aus K i s s i n g e n wird bemerkt: Durch die vielen Engländer, welche hier weilen, ist das Englische schon bei uns eingebürgert, daß jeder Hausknecht yes statt ja sagt. (Knapp! sattle mir mein Dänen-Roß, damit ich dorthin reite.)”


Rudolphi, Eduard: Dreißig Jahre in Rußland. 1845
“Der Verfasser? Ein Deutscher. Am Kinde sonst kein Aergerniß. Ob solche Leute wohl vor einem Hermannsdenkmal roth werden könnten! Denkmal wie würdig! Unter Tuiskon's Söhnen kein Verräther! Die Ballade zwickt.
  Knapp! satt'le mir mein deutsches Roß,
  Daß ich mir Ruh erreite,
  Es wird mir gar zu eng' im Schloß,
  Ich will, ich muß in's Weite.

  Hin in den Teutoburger Wald.
  Je höher, desto freier!
  So ängstlich ist's. Das Herz wird kalt,
  Die Luft ist nicht geheuer.

  Die Säule, die sich Freiheit haut,
  Ragt in das Uferlose.
  Sind wir etwa - zurückgeschaut,
  In der Metempsychose?”


Zeitspiegel in Regensburger Zeitung 12.10.1845
“Wohlhabende, sogar reiche Königsberger des Bürgerstandes wollen in Masse nach Amerika auswandern.
    ‘Es wird mir hier zu eng' im Schloß,
    Ich muß hinaus in's Weite,’
spricht der alte Bürger.”


Ein Praktikant lässt 1850 eine Privat-Anzeige in die Kemptner Zeitung setzen:
"Wegen schneller Abreise sage ich meinen Freunden hiemit schriftlich herzlich Lebewohl. Wer etwas von mir zu fordern hat, wolle sich gefälligst an Herrn Revisionsbeamten Klüber wenden, welcher die Güte haben wird, das Weitere zu verfügen.
      Knapp sattle mir mein Dänenroß,
      Daß ich mir Ruh' erreite.
Redenbacher, Ingenieur-Praktikant."


Hiesiges. in Augsburger Tagblatt. 11.4.1853
“Es wurde jüngst im ‘Tagblatte’ angeregt, man möchte zur Erweiterung des Anstoßgäßchen einige Mauer schleifen und Häuser abschleifen. Dieser Wunsch wurde Gegenstand einer magistratischen Besprechung, und als sich herausstellte, daß die Commune durch Erweiterung des Anstoßgäßchen nicht das Salz in der Suppe verdiente, so ließ man den Plan, das Anstoßgäßchen fahrbar zu machen, ruhig und gemüthlich abfahren. Nun plagt mich aber schon wieder der Gäßchen-Erweiterungs-Trieb, und es ist mir, als ‘würde mir's zu eng im Schloß’, deshalb sattle ich nicht mein Dänenroß; sondern den Hippogryphen und die Muse wird mir Schutz verleihen, daß ich mir Ruh' erreite, und die Herzen Derer erweiche, die sich allenfalls der Herzenserweiterung der Stadt widersetzen möchten.”


Kurier der Theater und Spectakel in Der Wanderer 31.1.1845
“Die Wiener huldigen freudig allen Künsten, warum sollten sie bei der edlen Reitkunst eine Ausnahme machen, zumal wenn sie durch reizende Damen zu Ehren gebracht wird? Bei Haslinger's Witwe und Sohn erschien so eben in Commisson ‘Hommage á Madame Lejars,’ Text in deutscher und französischer Sprache mit Pianofortebegleitung, und bei A. D. Witzendorf in Öl gemalt nach Naumann, und lithographirt Dlle. Pauline Cuzent, ihr Schulpferd ‘Buridan’ reitend. Wie Mancher, der im Circus diese Grazien hoch zu Rosse gesehen. möchte mit einem großen Dichter ausrufen:
      ‘Knapp sattle mir mein Dänenroß,
      Daß ich mir Ruh' erreite.’
Der Ruhigere aber, der Gelassenere wird seine Blicke mit Wohlgefallen auf dieses schöne Bild der schönen Pauline heften können.”


Der Humorist 17.2.1851
“Theatralische Gerichtshalle.
Frau Megerle rief: ‘Knapp', sattle mir den Pegasus und führ' mich nach Paris, ein neues Stück ich bringen muß, sonst gibt es einen Riß.’ — Und siehe da, der Pegasus that seine Schuldigkeit, verfehlte aber den Weg und brachte den ‘Bajazzo’ aus Berlin!”

Ansbacher Morgenblatt 4.10.1863
“(Die Straßenlokomotive und ihre Folgen.)
Wir sind von nun ab eben so unabhängig von dem Willen der Eisenbahndirektionen, als von der Laune und Ausdauer der Pferde, und statt des Rufes: ‘Knapp, sattle mir mein Dänenroß!’ wird in Zukunft des Junkers Commando klingen: ‘Heizt mir den zweisitzigen Phaeton.’"


Süddeutscher Telegraph : Münchner Abendzeitung 19.10.1868
“Quieta, non movere.
‘Knapp', sattle mir mein Dänenroß, daß ich mir Ruh' erreite!’ - so ruft zur Stunde der vielgeplagte Professor, der ungeduldige Schüler, der gelangweilte Aristokrat, der geschäftsmüde Kaufmann und vor Allen der bekannte Staatshämorrhoidarius. Daß es gerade kein Dänenroß sein muß, thut weiter nichts zur Sache. Der Eine tauft seinen gemeinen Grauschimmel so, der Andere ein miserables Gefährt, ein Dritter die eigenen Beine, nur mit der Ruhe hat es seine Richtigkeit.”

Figaro 28.3.1868
“Schwarze Ritter.
„’Knapp', sattle mir mein Dänenroß,
Daß ich zur Sitzung reite,
Ich bin bewehrt zu Hieb und Stoß
Im klerikalen Streite;
Wenn mein gewohntes Glück ich hab',
So werf' ich selbst den ‘Josef’ ab!’

Graf Bloome sprach's und sprengte hin
Zum Haus der Herrengasse,
Kumpane dort begrüßten ihn
Von gleicher schwarzer Race;
Sie kamen trotzig zum Turnier,
Für Dame ‘Nacht’ zu fechten hier.

Wie tummelte der Däne sich!
Daneben auf dem Schecken
Graf Rechberg, klein, doch ritterlich.
Man kennt ihn, diesen Recken;
Bewaffnet war er mit Genie
Und mit dem Bismark-Parapluie.”


Passauer Zeitung : niederbayerische Volkszeitung 28.5.1870
“Straubing, 26. Mai.
Wenn Einer also das Straubinger-Tagblättl liest, so kann er sich das Lesen aller übrigen gleichgesinnten politischen und unpolitischen Blätter ersparen. Also fertig ist er, der Herr Lucas, und zwar schlagfertig, denn die Schläge müssen ihm zu viel geworden sein, die er in der Kammer und im Klub bekommen hat. Er sprach also: Knapp' sattle mir mein Dänen-Roß, daß ich mir Ruh' erreite; es wird mir hier zu eng im Schloß, ich will und muß in's Weite.”


Der Bayerische Landbote 8.7.1875
“In neuerer Zeit soll nämlich Herr Rentamtmann von Aichach über die Schiller'sche [sic!] Ballade gekommen sein, welche also lautet:
    ‘Knapp, sattle mir mein Dänenroß,
    Daß ich mir Ruh' erreite!
    Es wird mir hier zu eng im Schloß,
    Ich will, ich muß in's Weite.’
Was auf gut Aichacher Deutsch übersetzt ungefähr so lauten dürfte:
    Hier sitz' ich armer Erdenklos,
    Umringt von dreckigen Bauern.
    Ich bleib' nicht länger in meinem Schloß,
    Ich will vor Aichach's Mauern.”

(Pastoralbriefe.) in Theologisch-praktische Quartalschrift 1877
“Denk ich ja noch daran, wie ich einst als Pfarrprovisor ängstlich geschwitzt habe, denn Furcht und Schrecken hatte sich meiner bemächtiget, als ich eine Copulation vorgenommen hatte, und nachdem Alles vorüber, die Brautleute fort, die Nacht mit schwarzem Schleier alles überdeckt hatte, ich die Trauungsmatriken öffnete und sehen mußte, daß der Bräutigam minderjährig und elternlos ist, und ich keine obervormundschaftliche Bewilligung, oder auch Großjährigkeitserklärung in Händen hatte.– ‘Obstupui, steteruntque comae, et vox faucibus haesit. ‘Knapp! sattle mir mein Däneroß,– daß ich mir Ruh' erreite;– es wird mir hier zu eng im Schloß,– ich will, ich muß ins Weite.’– Und ich lief hinaus in Nacht und Finsterniß, und eilte athemlos, bis ich kam zum Hause des Bräutigams respective des Neuvermählten, und – o wer beschreibt meine Freude: dort erhielt ich das gewünschte Document, das nur in der Eile vergessen worden war, mitgenommen zu werden.”


Carl Friedrich Müller: Die Pferdezucht nach ihrem jetzigen rationellen Standpunkt 1879
“Alle diese Ritterpferde waren übrigens ohne Ausnahme Hengste. - Die Küstenländer der Nord- und Ostsee zeichneten sich hauptsächlich in der Production derselben aus, speciell Dänemark, und Bürger beweist sich deßhalb als guter Hippologe, wenn er dem Knappen in der Entführung das ‘Dänenroß’ zu satteln befiehlt.”


Die Fliegenden Blätter 1880 bringen eine Bildergeschichte: Traurige Folgen schlechter Berufs-Erkenntniß.
“Eines Tages sagte der Ritter: ‘Knapp', sattle mir mein Dänenroß, daß ich mir Ruh' erreite.’ Der junge Mann, welcher noch nicht lange diente, wußte nicht, daß er ein ‘Knappe’ sei, ging kopfschüttelnd in den Stall, indem er vor sich hinmurmelte: ‘K n a p p sattle mir mein Dänenroß . . . warum ich das arme Roß k n a p p satteln muß, damit sich der Herr Ritter Ruh' erreiten kann, weiß ich nicht; aber Er ist der Herr, Ich der Diener — also muß ich gehorchen!’ Sprach's, ging

in den Stall, sattelte das Dänenroß knapp
und immer knapper,
bis das arme Thier umfiel und elendiglich verschnaufete.”
Die Neue Freie Presse 13.10.1881 macht sich Congreß-Gedanken
“Wir glaubten, sie würden nur in Reimen girren oder wenigstens den Collegen zurufen: ‘Knapp', sattle mir mein Musenroß!’ Die poetischen Damen sprachen aber sehr vernünftig, sehr witzig von ihren Verlegern, von 500 Mark, von 1000 Mark, von Vorschuß und allem Erdenstaube, der an den wallenden Gewändern der Musen hängt.”

Unterwerfen! in Der Floh 7.11.1886
“Knapp', sattle mir das Dänenroß,
Ich will den Waldemar reiten!
Den Battenberger bin ich los,
Ich selbst will Bulgarien leiten!

Mein Kalkoff singt von Freiheitslust
Den Sklaven in russischer Kette,
Und Kaulbars gibt den Meuchlern kühn
In Sophia jetzt Bankette.

Es knallt der Champagner, es schäumt der Wein,
Die Gläser klirren und klingen.
Entsetzlicher Wahn, wenn Büttel und Vogt
Von Völkerfreiheit singen.

Das gleicht, o Schichsalsironie!
Enropas Freiheitsleben.
Der Czar dictirt, und Europa ruft:
Unterwerfen und Ergehen!”


Kritische Theatergänge in Der Floh 23.10.1892
“Knapp', sattle mir den Pegasus,
Ich werde Distanz jetzt reiten,
Von Bühne will ich zu Bühne hin,
Du, Leser, sollst mich begleiten!”
Anglo-amerikanisches Schlachtlied in Der Floh  22.12.1895
“Knapp, sattle mir das Dänenroß,
Ich will in die Schlacht jetzo reiten,
Cleveland sprach's, ‘ich schlage los,
Ich selbst will Venezuela leiten.’

Es knallt der Champagner, es schäumet der Wein,
Die Gläser klirren und klingen.
Entsetzlicher Wahn, wenn Yankee und Bull
Vom Kampfe und Kriege singen.

Das gleicht, o Schicksalsironie,
Des Krämers Ehrenhandel.
Zitt're Welt! Es bekriegen sich
Meter, Kilo nnd Kandel.”


Kladderadatsch 22.1.1899
“Literarisches.
Verboten sind in Schleswig-Holstein die Gedichte: ‘Gorm der Alte, König der Dänen’ — weil es für den Schleswiger nur einen König der Preußen geben darf, der noch nicht alt ist — und: ‘Knapp, sattle mir mein Dänenroß’; ‘denn’, sagt Köller, ‘wenn auch das Dänenroß nur ‘knapp’ gesattelt werden soll, so ist es doch überhaupt nicht zu dulden, daß der Däne sich aufs hohe Pferd setzt.’"


Nebelspalter : das Humor- und Satire-Magazin Band 38 (1912)
“Köpenike ohne Ende.
S' war doch ein mustergült'ger Kerl,
Der Herr von Köpenik,
Denn seither ahmt ihn Mancher nach,
Zwar oft mit Mißgeschick.
In Belfort hieß es zum Soldat,
In schärfstem Feldherrnton:
‘Merk dir, daß ich Herr Jorry bin,
Hauptmann, zweite Schwadron!
Knapp sattle mir das Dänenroß
Ich muß ins Weite ziehn,
Und bring vors Café de la Bourse,
Den Klepper schleunigst hin!’

Der Hauptmann sprach's, der Page lief,
Und nach ganz kurzer Zeit,
Stand vor dem Café de la Bourse
Das Dänenroß bereit.

Der Hauptmann schwang sich auf im Hui,
Fort ging's im scharfen Trab,
Bei Courtemaiche kam unser Held
Jedoch vom Wege ab,
Es fiel sein Pferd vor Schreck und Angst
Verwundet ward es schwer,
Und schneidig rief der Hauptmann aus:
‘Sofort ein anderes her!’

Doch hollah! statt dem neuen Roß
Kam die Depesche an:
‘Paßt auf, es kommt ein Pferdedieb
Verhaftet diesen Mann!’

Nun kauert er im Kerkerlein
Und denkt mit trübem Blick:
‘Es scheint mir fehlt noch das Talent
Zum wahren Köpenik!’        W.”


Kikeriki  25.7.1920
“Landkennung.
‘Knapp, sattle mir mein Dänenroß,
Daß ich nach Schleswig reite,
Das jüngst man im Versailler Schloß
Von deutscher Fron befreite!’

Der König stieg zu Pferd, sein Troß
Gab treu ihm das Geleite,
Und südwärts sprengt' der Nordlandssproß,
Daß er das Neuland weihte.

Doch eine kleine Weile bloß
Er des Triumphs sich freute;
Sein Stolz erlitt bald einen Stoß,
Sein frommes Leibroß — scheute.

Auf Schleswigs Erde achtungslos
Warf's seinen Herrn beiseite!
Der stieg in eine Staatskaross'
Und suchte rasch das Weite.

Ob dieser Potentatenposs',
Ganz Schleswigs lacht noch heute,
Woraus mit Recht der König schloß:
‘Loyal sind's nicht, die Leute!’"
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