Der Kaiser und der Abt
Die Zeichensprache von W.....m in Neue Flora, 7. Februar 1835
“Ihr kennt Bürgers Mährchen vom Abt aus St. Gallen?
So laßt Euch ein Seitenstück dazu gefallen;
Ihr seht daraus, wie der Gelehrsamkeit Wahn,
Hochweise oft irr' führt auf ebenster Bahn.
[...]
Da hätte ich bald meine Rolle vergessen,
Denn Spott auf die Heimath scheint doch zu vermessen,
Nun zog ich den Kuchen aus Haber hervor,
Daß, wer mehr will als er bedarf, sey ein Thor.
Recht herzlich belachten dieß die Professoren,
Den rechten Mann hatten sie Alle erkohren;
Sie führten zum Lohn ihn, zum Wein und zum Schmaus
Und lachten den Zeichenerfinder brav aus.”
Die vollständige Parodie im Archiv
Der Bürgermeister im Waldschlag in Der Eilbote, Landau in der Pfalz 25.3.1843
“(Eine wahre Geschichte in hochdeutschen Reimen.)
Ich will Euch erzählen ein Mährchen gar schnurrig
Es gibt einen Bürgermeister, der Bürgermeister ist kurrig,
Auch gibt es einen Bauern, kein sehr pfiffiger Mann,
Der aber das Verborgene ans Licht ziehen kann.
[...]
Dort thronet der Mann, von dem ich berichte
Die ganz wahre noch neue Geschichte;
Es ist - nun Leser! errathe es nur,
Es ist - der regierende Bürgermeister von Burr......!
Burrweiler, 23. März 1843”
Die vollständige Parodie im Archiv
Der Chozef und der Row. Jüdische Parodie des Gedichtes der Kaiser und der Abt von G. A. Bürger. Travestirt für unsere Leut. von Reb Schamsche Zoreles Leipzig 1846
“Iach wer thün enck messapere e gor groiße Schmüe:
Emol wor N'Oischer; der hot gehand'lt mit Twüe,
Es wor ach e Row, mit e sehr groißen Bort:
Nur hot er! Vorn Schammes nischt klären getort.”
[Allein zu diesen vier Zeilen gibt es neun Anmerkungen um das Werk verständlich zu machen.]
Die vollständige Parodie im Archiv
Aber von Carl Friedrich Hartmann in Alsatische Saitenklänge 1848.
“’Der Mann, der das Wenn und das Aber erdacht
Hat sicher aus Häckerling Gold schon gemacht’ Bürger.
Wer das A b e r hat erfunden,
Ward im Widerspruch erzeugt;
Hat des Wirkens Trieb gebunden,
Manchen Freudengott verscheucht.
Wer das A b e r hat erfunden,
Wae der Vorsicht launig' Kind,
Hat in gleichem Wort verbunden
Heil und Leid und Pflicht und Sünd'.
Schuf ein Wort, dess' Angstgestalten
Hemmten schon manch' große That,
So wie auch mit weisem Walten
Rettend tönt' an Abgrunds Pfad.
Wörtchen, dessen finstres Mahnen
Stört der frohen Knaben Spiel,
Und dess' weit ausschauend Ahnen
Warnend malet manches Ziel.
A b e r, böses, liebes A b e r,
Trockne Weisheit, Irrgesang,
Dein Erfinder, warum gab er
Dir bald falsch', bald richt'gen Klang?”
Ein Mährchen in Kladderadatsch 28. August. Berlin 1859
“ Ich will euch erzählen ein Mährchen gar schnurrig,
Es war ´mal ein Kaiser, der Kaiser war kurrig:
Ein fliegendes Blättlein das ärgerte ihn,
Und doch las er's jedes Mal wann es erschien.
Es kochte dabei ihm das Blut in der Ader.
Was hilft mir - so rief er - mein Kriegesgeschwader?
Was hilft mir mein Pulver, was hilft mir mein Blei,
Mein Ruhm, mein Triumph und das Vivatgeschrei?”
Alle 26 Strophen dieser kritischen Parodie
Der Kaiser und der Abt (Frei nach Bürger) in Humorist, Wien 5. März 1860
"Und kann ich die italienische Frage nicht lösen,
So bist Du zum Längsten hier König gewesen:
So laß Ich Dich führen, auf einem Esel durch's Land,
Verkehrt, statt des Zügels, den Schwanz in der Hand."
Der Kaiser und der Abt in Nürnberger Beobachter 2.10.1862
“Ich will euch erzählen ein Märchen gar spaßig.
Es war 'mal ein Kaiser groß-artig und -nasig:
Auch war 'mal ein Abt, ein gar stattlicher Herr,
Nur schade, der Kaiser war klüger als er.
Dem Kaiser ward's sauer mit Drobern und Mahnern,
Mit Legitimisten und Republikanern,
Mit Noten und Reden, mit Welschland und Krimm.
Doch blieb er besonnen, kam selten in Grimm.
[...]
Das rathet, Herr Abt, und dann sprechen wir weiter!’
Drauf trabte der Kaiser von dannen ganz heiter;
Der Pfaff' aber seufzte: ‘Die Nüsse sind hart!
Dazu gehört ein Gebiß, ganz apart!
Und ob ich sie knacke, ob nicht sie kann knacken,
Wird so oder so er beim Schopfe mich packen;
Denn Eines geht klar aus den Räthseln herfür:
Man setzt mir gewiß noch den Stuhl vor die Thür!’"
Die vollständige Parodie im Archiv
Eine traurige Geschichte in Wiener Funken 4. Mai 1870
“(Frei nach Bürger.)
Die neue freie Presse
Macht Skandal jetzt und Excesse.
Sie wüthet und sie schmäht,
Weil sie nicht mehr am Brett,
Weil sie nicht hoch zu Rosse
Vorreiten kann dem Trosse,
Weil man, was sie jetzt sagt,
Gar anzuzweifeln wagt.
Weil officiös sie nimmer
Ihrem Haupte fehlt der Schimmer,
Mit dem sie cokettirt
Und nebstbei - profitirt.
Das sind zwar große Plagen,
Doch wären sie zu tragen,
Wenn der geheime Fond, o weh,
Nicht pfutsch wär' für die holde Fee.
Das ist die schauderhafte Mähr'
Woraus sich ziehen läßt die Lehr':
‘Bist Du auch wie ein Leintuch groß,
Setz niemals Dich aufs große Roß,
Sonst kannst Du reiten per Esel durch's Land
Verkehrt statt des Zaumes den Schweif in Hand.’"
Die weltlichen Unfehlbaren in Berliner Wespen 14.4.1871
“Ich will Euch erzählen ein Mährchen gar spaßig:
Es war mal, - wann war's doch? Die Jahrszahl vergaß ich, -
Da tagten Europas Gelehrte einmal
Es saßen die Besten der Besten im Saal.
Nach ernsten Debatten ward schließlich beschlossen,
Das, was ihrer eifrigsten Forschung entsprossen,
Das, was sie ergründet in reichlichem Maaß,
Den Laien zu künden, und also geschah's.
[...]
Doch w e n n mit dem Fluch und dem Bann sie ihn hetzten,
Wenn s i e einen Stuhl vor die Thüre ihm setzten,
Wenn s i e i h n verfolgten nach s e i n e m C o n c i l,
Ich möchte wohl wissen, wie i h m das gefiel'!”
Die vollständige Parodie im Archiv
Der Abt von Sanct Olpe (Frei nach B ü r g e r) in Kladderadatsch 15.12.1872
Bischof und Rektor in Nebelspalter 24.3.1877
“Ich will Euch erzählen ein Märchen gar schnurrig:
Es war mal ein Küttel, der Küttel war knurrig;
Auch war mal ein Bischof, ein abgesetzter,
Der Kanzler war eben viel klüger als er.
[...]
So ließ man Herrn Küttel, Direktor, entbieten,
Er solle die Buben auch fernerhin hüten;
Herr Lachat verbleibe Liebhaber vom Wein
Und Düret schatzmeisterlich treuer Wardein.”
Die vollständige Parodie im Archiv
Kaiser und Kanzler in Der Nebelspalter 29.3.1890
“Ich will Euch erzählen ein Märchen gar simpel:
Es war mal ein Schiff mit gewaltigem Wimpel,
Drin herrschte der Lenker, ein mächtiger Herr,
Nur schade, der Steu'rmann war mächt'ger als er.
I h n ehrte als Meister das Volk der Matrosen,
I h m jauchzten sie Beifall, wenn mitten durch Tosen
Des Sturms und der Wellen, durch Klippen und Riff
Er lenkte mit sicherem Steuer das Schiff.
Das konnte dem Lenker nicht länger behagen,
Er wollte zur Schiffahrt doch auch etwas sagen.
Doch als er die Stimme nun hob zum Befehl,
Da grollte der Steuermann tief in der Seel'.
So standen die Beiden sich grollend entgegen:
‘Z w e i dürfen nicht herrschen, e i n Herrscher bringt Segen.’
Das wußten die Beiden, und kamen zum Schluß,
Daß der Steuermann weichen dem Höheren muß.
So hat denn der Hüne das Steuer verlassen,
Und gibt's einem andern Hünen zu fassen,
Der willig dem Dienste des Herrschers sich stellt.
Ob die Kraft ihn eignet? - Es harret die Welt!”
Eine alte Historia in Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 15.1910
“(Frei nach Bürger ‘Der Kaiser und der Abt’)
Es war 'mal ein Kurfürst. Der Kurfürst war schnippig.
Es war 'mal 'n Triarier. Der Triarier war üppig.
Drum dachte der Kurfürst beim vollen Pokal:
Den dicken Triarier, den kauf' ich mir mal.”
Die vollständige Parodie im Archiv
Der Pächter von Cadinen in Illustrierte Unterhaltungs-Beilage des Wahren Jacob 1913
“Es war mal ein Kaiser, der Kaiser war heiter.
Es war mal ein Pächter, der fiel von der Leiter.
Der Kaiser, der tat es der Welt zu wissen,
Er habe den Pächter hinausgeschmissen.”
Die vollständige Parodie im Archiv
Eine Blüte der Propaganda aus dem II. Weltkrieg:
Das Märchen von der Dnjepr-Flotte in Oberdonau-Zeitung, 1. März 1944
"’Ich will Euch erzählen ein Märchen gar schnurrig ...’ So lustig wie weiland der alte Gottfried August Bürger muß man schon beginnen, wenn man die kuriose Geschichte von der Dnjepr-Flotte berichten will, die das schwedische Blatt ‘Aftontidningen’ seinen Lesern aufzutischen wagt. Im Jahre 1941 hätten die Bolschewisten beim Vormarsch der Deutschen die Dnjepr-Flotte tief im Strome versenkt. Selbstverständlich hätten die dummen Deutschen die lieben Schifflein all die Jahre der Besetzung hindurch nicht gefunden. So gut hatten die braven Bolschewisten, denen die ganze Sympathie dieses schwedischen Blattes gehört, sie versteckt. Kaum aber waren die Bolschewisten am Dnjepr angelangt, da begann man die Flotte zu heben, und jetzt, wenige Monate später, arbeite man schon fieberhaft an der Instandsetzung. Tüchtige Leute müssen das sein! Und noch tüchtigere Schiffe, die nach drei Jahren Lagerung am Grunde des Flusses sich so leicht wiederherstellen lassen. Aber gewissen schwedischen Blättern ist eben kein Märchen zu albern und kindisch - wenn es für die Bolschewisten vorteilhaft klingt, setzen sie es ihren Lesern vor. Für soviel Aufmerksamkeit muß man sich bedanken - wahrscheinlich war also das der Grund, warum die Moskowiter kürzlich ohne jede Vorwarnung nachts Bomben auf das hell erleuchtete Stockholm geworfen haben. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.”