Das Lied vom braven Manne / Das Lied vom nichtsnutzigen Manne. in Kikeriki 12. September 1867
“Schlußfolgerung.
Daraus folgt nun eine unserer Zeit charakterisierende Moral. Gelingt es dir nämlich, irgendwo einen braven Mann aufzustöbern, so weiß kein Mensch, was er mit ihm anfangen soll. Findest du aber einen Spitzbuben, so kriegst du einen Preis von 300 Gulden.”
Das Lied vom braven Mann. in Der wahre Jakob: illustrierte Zeitschrift für Satire, Humor und Unterhaltung — 16.1899
“(Professor Wagner wendet sich in der ‘Woche’ heftig gegen die Steuerscheu des deutschen Volkes.)
Herr Wagner kennt nur ein Vergnügen:
Wenn er so recht in vollen Zügen
An all den vielen Wochentagen
Sein Geld zum Steueramt darf tragen,
Und süsser als der schönste Psalter
Klingt ihm sein Geld — am Steuerschalter!
* * *
Einst schreibt der Staat auf seinen Stein:
‘Er war ein Mann — so soll er sein!’“
Das Lied vom braven Mann. in Meggendorfer-Blätter — 54.1903
“Hoch klingt das Lied vom braven Mann,
Der waschen und auch bügeln kann,
Der mit dem Einkaufkorbe geht,
Das Kochen aus ‘ff’ versteht,
Der liebevoll die Kinder pflegt,
Den Papagei, den Pudel hegt,
Auf Reinlichkeit und Ordnung sieht,
Das Gasthaus, das Kaffeehaus flieht,
Der in den Ruhestunden flickt,
Die Strümpfe stopft und neue strickt,
Der mit Verehrung unentwegt
Die Gattin auf den Händen trägt
Und selbstverständlich nie vergißt,
Daß ‘Sie’ der H e r r im Hause ist!
wenn so die Hausfrau singen kann,
Hat sie gewiß den bravsten Mann.
Mennacher.”
Das Lied vom braven Mann. in Der Floh 7.7.1907
“Hoch klingt das Lied vom braven Mann,
Wie Orgelton und Glockenklang:
Wer Tote so besudeln kann
Den lohnt nicht Gold, den lohnt der Strang.
Und als der Löwe, S c h e l l genannt,
Das Zeitliche gesegnet hatt',
Da kam der C o m m e r hergerannt
Und tat wie jener Esel tat:
Versetzte mit den Hufen ihm
So manchen Tritt und Stoß perfid,
Wiewohl er mit dem Leun intim
Gewesen sehr, eh' er verschied.
Und kriegte noch vom Vatikan
'nen päpstlichen Belobungsbrief ...
Hoch klingt das Lied vom braven Mann,
Dem Mann, der so gesunken t i e f !”
“(Hoch klingt das Lied von der braven Frau!) in Vorarlberger Volksfreund 18.6.1907
Jeder Tag bringt neue Beweise gegen das dumme Märchen von der Minderwertigkeit der Frau. Ein Münchner Künstler, der in der Umgebung unserer Stadt Landschaftsstudien macht, fand jüngst in Watzenegg ein Gärtchen, das ihm zur Betätigung seiner Kunst besonders geeignet schien. Er sprach bei der Besitzerin vor und die biedere Bäuerin erlaubte ihm von Herzen gerne, daß er darin seine Staffelei aufschlug. Der Künstler brachte mehrere Stunden auf dem freundlichen Plätzchen zu und als seine Arbeit beendigt war, wollte er nicht scheiden, ohne den Kindern der freundlichen Frau ein klingendes Andenken zu hinterlassen. Doch die wackere Frau kam ihm mit einem Angebinde zuvor, einem Blatt Papier, auf dem in treuherzigen Zügen als Abschiedsgruß zu lesen stand: ‘Für Malen im Garten 20 Kronen...’ Der Künstler war leider nobel genug, die unverschämte ‘Rechnung’ des Weibes zu bezahlen.”
Das Lied vom braven Mann. in Kladderadatsch — 67.1914
“w.i. In Speyer rettete ein Soldat unter eigner Lebensgefahr ein Kind vom Ertrinken. Als dem Retter eine Belobigung erteilt werden sollte, ergaben die Ermittelungen, daß er ohne Urlaub in Speyer weilte. Er wurde dafür drei Tage in Mittelarrest genommen.
Der Soldat ist, um das Kind zu retten, nicht nur ins Wasser gesprungen, sondern er hat sich auch t ü c h t i g h i n e i n g e l e g t. Die Strafe ist viel zu milde ausgefallen. Zugestandenermaßen brachte er bei dem Rettungswerke sein Leben in Gefahr, er hätte also mindestens wegen des V e r s u c h s, s i c h s e i n e r D i e n s t p f l i c h t z u e n t z i e h e n zur Verantwortung gezogen werden müssen.”
Das Lied vom Schutzmann von Paul Warnke in Am Born der Borniertheit 1919
“Vom Schutzmann klingt's, vom braven Mann,
Wie Orgelton und Glockenklang.
Wer so dem Dalles helfen kann,
Dem lohnt nicht Gold, dem lohnt Gesang!
Gottlob, daß ich singen und sagen kann,
Zu loben und preisen den braven Mann!
Von Aschersleben kam ein Mann
Und sumpfte in Berlin herum.
Wie einer nur so sumpfen kann!
Er sumpfte sich fast lahm und krumm,
Er schlug sich voll den sündigen Leib,
Und brachte all sein Geld ans Weib.
Da stand er nun so ganz allein,
Laut brauste Bahn und Autobus,
Er aber nannte nichts mehr sein,
Wovon der Mensch doch leben muß:
"Barmherziger Himmel, erbarme dich!
Verloren, verloren, Wer rettet mich?"
Sieh! Schlecht und recht und blank und blau
Stand dort ein Schutzmann an der Eck'.
Da lächelte der Ärmste schlau,
Und fort war Sorg' und fort war Schreck:
‘Nun pumpe du mir, edler Mann,
Daß ich nach Hause reisen kann!’
Und sieh und sieh, der Schutzmann zog
Den Beutel ohne viel Geschrei,
Und reichte ihm, das preis' ich hoch;
So wahr ich leb', der Märker zwei.
Heil mir, daß ich singen und sagen kann,
Zu loben und preisen den braven Mann.
Und als dem Ärmsten dies gelang,
Da ging davon der gute Mann
Und pumpte ohne Sang und Klang
Noch zwanzig andre Schutzleut' an,
Und fuhr nach so vollbrachter Tat
Gen Aschersleben in die Stadt.
Vom Schutzmann klingt's, vom braven Mann,
Wie Orgelton und Glockenklang;
Wer so dem Dalles helfen kann,
Dem lohnt nicht Gold, dem lohnt Gesang.
Gottlob, daß ich singen und sagen kann
Zu loben und zu preisen den braven Mann!”
Ping-Pong in Meggendorfer-Blätter 8.6.1927
“Ein Engländer hat eine Vorrichtung zum Färben von Wimpern erfunden. Man trägt sie in dieser Saison flaschengrün, rosa, lila und stahlblau.
Hoch klingt das Lid vom braven Mann.”
Lustige Studienerinnerungen in Linzer Volksblatt, 5.2.1949
“Ein findiger Sekundaner entdeckte zum ‘Lied vom braven Mann’ eine neue Lesart. Er deklamierte begeistert:
‘Es dröhnt' und dröhnte dumpf heran,
Laut heulten Sturm und Wog' ums Haus.
Der Zöllner sprang zum Dach hinaus.’"